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Gesellschaft & Medien 2/7
Mai 2004
sozusagen als "Vorpromotion-Tour" im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Klaus Beer: "HOLLYWOOD oder die Glitzerstadt Las Vegas ohne Daniel? Das muss sich ändern..."

Markus Bechtle · Foto: Markus Bechtle

"Fan" kommt von "Fanatic"

On 11 May 2002, 500 Michael Jackson Fans turned out in Berlin to demonstrate against Sony for having failed to promote the Invincible album vigorously enough. A simultaneous demonstration was held in Paris.*
Fan zu sein ist schon etwas komisches: Als ich 15 war, tapezierte ich eine ganze Wand meines Kinderzimmers mit Postern von Duran Duran. Mit 17 stand ich in der ersten Reihe bei einem Pogues-Konzert und strahlte mit großen Augen zu meinen Helden hinauf, während der Ordner verzweifelt versuchte, zu verhindern, dass ich von prügelnden Skinheads zerdrückt wurde. Mit 19 liefen mir die Tränen übers Gesicht, als Nick Cave bei einem Clubkonzert meine Hand nahm und mir lange intensiv in die Augen schaute. Jetzt, mit einem guten Abstand jenseits der 30, stehe ich in einer Art seniler Bettflucht wieder auf Küblböck-Konzerten herum. Ich kenne den Punkt genau, wann es "klick" macht und man ein Fan ist; den Unterschied zwischen "… die finde ich gut und habe mir eine Platte gekauft" und "Ich bin ein Fan von…". Es macht Spaß, ein Fan zu sein, ein Kribbeln im Bauch zu haben, wenn man eine bestimmte Stimme hört, in ganz Deutschland herumzufahren, in der Community Freundschaften zu schließen. Manchmal wird der Traum aber auch zum Albtraum - für die Fans und auch für den Star.
How I sighed, for a love I could not obey
Sean Fitzgerald of Mount Washington, Pennsylvania, has his own portrait of Cher tattooed on his thigh. His dearest wish now is to have his idol tattoo her autograph below the picture.
Die Populärpsychologie hat das Schlagwort "Personenkultsyndrom" geprägt und unterscheidet drei Stufen: In der ersten, harmlosen Stufe beschäftigt man sich gedanklich fortwährend mit dem Kultobjekt und hat das Bedürfnis, mit Freunden und Verwandten darüber zu sprechen. In der zweiten, bedenklicheren Stufe, fühlt man sich mit dem Star seelisch eng verbunden und opfert einen überdurchschnittlichen Teil der Freizeit. In der dritten Stufe beginnt man, dem Star nachzureisen, ihn zu verfolgen und zu versuchen, ihn kennen zu lernen, und vernachlässigt seine Umwelt und den Beruf. Jeder mag sich selbst aussuchen, in welche Stufe er gehört.
Oh my baby, how beautiful you are, and, oh my baby, completely torn apart
Slipknot fans earned a reputation for idiocy when they started sending angry e.mails to the Knitting and Crochet Guild of Great Britain,
who had the gall to call their magazine Slipknot. "We are not a bunch of frightened old ladies", declared a Guild spokesperson.
Manche Fans sind weniger eine Gefahr für sich selbst als für ihr Objekt der Begierde. Vielfach sind sie einfach nur peinlich: Stundenlanges Gekreische und Gewedle mit bettlakengroßen Plakaten bei öffentlichen Auftritten zerfetzt nicht nur die Nerven der Security und Zuschauer, sondern auch die des Stars, denn: Wer will sich schon gerne anschreien lassen? Manche arbeiten auch gezielt gegen ihren Star, wenn sie durch ihr Auftreten, durch Spam-Aktionen in den Medien oder durch Belästigung anfangen, ihm beruflich zu schaden. Brenzlig wird es aber dann, wenn die Sicherheit der Stars gefährdet wird: Wenn z. B. Daniel Küblböck bei seinem Auftritt im Circus Krone beinahe erdrückt wird oder, bei einem anderen Auftritt, an seinen Haaren durch ein Absperrgitter gezerrt, dann hört der Spaß endgültig auf - diese Fans können sich auf die Schulter klopfen dafür, dass ihr Angebeteter nicht mehr ohne Security auf die Straße kann und sämtliche Arbeitstage allein im Hotelzimmer verbringen darf. Gut gemacht.
Stalk This Way
Steven Hindley, 41, recently jailed for stalking ex-S-Club Singer Tina Barrett, spent thousands of pounds sending her flowers, chocolates and cuddly toys. Then he told her he had a brain tumour and only had three weeks to live, and later threatened to "hack her to death". He was sent down for 6 months.
Das wohl kränkste und traurigste Kapitel bei Fans sind wohl diejenigen Fans, die an "ihren" Star ganz nahe herankommen, ihn kennenlernen und sein Kumpel oder Liebhaber sein wollen. Der HIM-Frontmann Ville Valo beschreibt seine Groupies als "boats" - ziellos umherirrende Schiffe, die kurzzeitig zu ihm in den Hafen einlaufen. Die grenzenlose Verachtung und der Zynismus dieser Beschreibung beleuchtet die ganze Misere dieser bemitleidenswerten Gestalten. Denn eins ist ihnen nicht klar: Dass eine Freundschaft niemals möglich sein wird. Freundschaft beruht auf gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Kritikfähigkeit. Wenn man jemanden auf einen Sockel stellt und anbetet, dann kann keine Freundschaft daraus werden, nur eine Abhängigkeitsbeziehung - schon gar nicht, weil ein Star der Öffentlichkeit ohnehin nur ein geschickt von ihm designtes öffentliches Bild präsentiert. Auch andersherum funktioniert die Abhängigkeit: Fans sind für einen Star an erster Stelle die Personen, von deren Geld er lebt. Wenn man also einem Star am Flughafen auflauert, sollte man sich über eines klar sein: dass aus Krankem nur etwas Krankes entstehen kann.
Do you want to see my perfect body
Ronan Keating, as described in a poem by diehard fan Bianca Riani: "Apollo the god of the sun/His sun-streaked hair golden/Shining like a lion's mane/Soft as the purest silk/His every moment is grace"
 
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